Almvirus

Ich hab kein Corona, sondern den Almvirus.
Dieser ist höchst ansteckend und bleibt im Körper ein Leben lang.

Endlich ist die Zeit wieder gekommen. Die Almsaison beginnt. Durch den milden Winter, können wir heuer früher als üblich auftreiben. Alles blüht auf … jede Knospe, jede Blüte und auch mein Herz. Ich bin mir sicher, dass ich diesen Almvirus in mir trage, denn jeden Frühling bekomme ich dieses Fieber in mir, welches sich nur über 1000m Seehöhe bewältigen lässt.

Seit wir mit der Zaunarbeit in der Alm begonnen haben, sehne ich mich jeden Abend nach meinem Bett in der Alm. Das innerliche Kribbeln gibt keine Ruhe mehr. Im Tal wird das seltsame beklemmende Gefühl immer schlimmer. Man giert nach der Höhenluft und ist süchtig nach dem Ausblick aufs Tennengebirge. Gearbeitet wird auf Hochtouren, um so schnell wie möglich die Koppeln für die Tiere bereit zu haben.

Im Tal hänge ich in Gedanken auf der Alm fest und zähle auf, auf was ich mich am meisten freue in der Alm…

… mein Zimmer mit Blick auf die Almwiese, wenn jeden Morgen die Kühe bei meinem Fenster vorbeibimmeln mit ihren Glocken.

… das Prasseln des Regens auf das Dach meiner Hütte – da schlafe ich am Besten!

… die gute Luft – so frisch und klar.

… die spezielle Stille.

… die warmen Sommernächte mit den Glühwürmchen in der Wiese.

… wenn ich Abends die Ziegen kontrolliere, mich dann bei ihnen auf einen Stein setze und den Arbeitstag ausklingen lasse. Beobachten, wie der Tag sich neigt und Ruhe findet.

… früh am Morgen, wenn noch kein Mensch unterwegs ist, die Tiere langsam erwachen und zur Hütte kommen.

und viele weitere Dinge lassen mir während dem Schreiben hier die Gänsehaut kommen und mein Fieber ausbrechen. Diesen Virus will ich immer behalten. Ich glaube, ohne ihn fehlt ein Teil von mir. Er ist ein fester Bestandteil von mir und untrennbar verbunden. Ich brauche ihn, um regelmäßig jedes Jahr die Sensibilität meiner Sinne zurückzuerlangen. Erst nach einer Woche, hat man seine Sinne auf der Alm wieder gefunden.
Das feine Gehör für Unruhen auf der Alm, wenn Besucher nach Sonnenuntergang noch unterwegs sind und die Tiere nervös werden.
Das scharfe Auge, für die Schönheiten auf jedem Fleckerl Wiese und die Wunder der Natur….
Nach und nach wird alles reiner und wacher in einem selbst. Ein Freiheitsgefühl kommt hoch.
Bald ist es soweit … ich zähle die Tage.

Es ist wahnsinnig schwer, all das zu beschreiben – jedoch werde ich es immer wieder versuchen euch weiter zu schildern. Gewisse Sachen kann man nur spüren und erleben. Wünscht uns alles Gute für den Sommer und drückt uns die Daumen, dass alles Gesund bleibt – Mensch und die Tiere sowieso 🙂

Gruß Sissy

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